Säg-Festival 2006
19.05 – 20.05. 2006
Obermässing
Allgemeines zum Säg Festival:
Das Säg Festival findet am Sägewerk von Obermässing statt. Trotz der Veranstaltungszeit im Mai, ist es kein Open Air, sondern findet in einem großen Festzelt statt (was sich dieses Jahr als äußerst sinnvoll herausgestellt hat!!). Veranstaltet wird es vom Just for Fun – Verein, um den Metal in der Region zu erhalten. Die Bandauswahl bietet eine Bandbreite von international bis regional. Auch was die eigenen Musikstile betrifft, so sollte für jeden etwas dabei sein.
Die Verpflegung wird dieses Jahr durch Bratwurst- und Steaksemmeln, sowie Wienerle/Weißwürste zum Frühstück am Samstag gesichert. Samstagmittag wird mit Haxen oder ½ Hähnchen mit Kartoffelsalat nachgelegt. Nur wer kein Fleisch mag bleibt leider gänzlich auf der Strecke. An den Bars gibt es Bier, Met, Wikingerblut und eine gute Auswahl an Mixgetränken zu humanen Preisen. Gezeltet werden kann hier direkt neben dem Festivalgelände!!! (und dem eigenen Auto)
Unsere persönlichen Eindrücke vom diesjährigen Festival:
Säg Festival-Besuch lautet unsere Planung für das vorletzte Wochenende im Mai. Nachdem das letzte Gepäckstück im Bus verstaut ist, geht es auf die Autobahn Richtung München. Froh gestimmt und ohne Stau auf der Strecke biegen wir auf den Zeltplatz direkt neben dem Festivalgelände ein.
Aber was ist das? Vor 30 Minuten war bereits Einlass, doch Park- und Campingplatz wirken mit ca. 10 Zelten, 25 Autos und 50 Besuchern wie ausgestorben. Da kann man nur hoffen, dass es am Freitag (an dem viele noch arbeiten müssen) liegt und die Metalhungrigen später noch auf das Festival strömen.
Wir parken unseren Bus etwas abseits der Anderen, trinken erstmal was und machen uns anschließend auf den Weg, das Gelände zu erkunden.
Im Zelt stellen wir fest, dass auch hier noch nicht der Bär steppt und lassen uns daher vorerst auf einer der Bierbänke nieder. So werden die Füße noch etwas geschont.
Den Auftakt des Säg Festivals 2006 bestreiten in diesem Jahr die Trasher von „ Justice“. Obwohl noch nicht viele Besucher das Zelt zum Beben bringen, schaffen es Mitch und Konsorten doch, den Großteil der Anwesenden vor die Bretter zu holen. Breits als das legendäre Intro „Bonanza“ aus den Boxen quillt, zieht es bereits Vereinzelte nach vorn. Ihren donnernden Set beginnen sie mit „Ritual in Rhodes“ und mit dem „Total Blackout“ beschwören sie wohl das Unheil herauf. Denn beim nächsten Song „Life Undead“ reißen bei Frank gleich zwei seiner Saiten. Doch wer meint, dass jetzt erstmal eine Pause eingelegt wird, der irrt. Ohne Rücksicht auf Verluste wird weiter geprügelt. Vereinzelt kann man verdutze Gesichter ausmachen, da Viele „Justice“ ja doch nur als Coverband kennen. Frank ist zurück und nun wird auch nicht mehr nur oberhalb des Publikums gebangt. Bei dem Song „This World is Mine“ wird schließlich sogar mitgegröhlt und gegrunzt, was die Stimmbänder zulassen. „Highschool Death“ bildet schließlich einen würdigen Abschluss. Für heute Abend verschieden sich die Fünf, doch morgen geht es dann mit ihnen in die 3-stündige Aftershow Party mit Coversongs vom Feinsten.
Erst kurz vorher aus Dänemark angereist, sollen nun „Mercenary“ die mittlerweile angestiegene Zahl der Festivalbesucher weiter anheizen. Der Schwerpunkt ihrer heutigen Show liegt mit Sicherheit auf dem aktuellen Silberling „11 Dreams“. Musikalisch bieten die Dänen abwechslungsreichen Powermetal. Das Wechselbad bewegt sich vom melodischen bis hin zum progessiven Sound. Tosenden Beifall ernten sie auf jeden Fall nach jedem einzelnen Song, egal ob schnell oder eher langsamer. Vor allem Sänger Mikkel Sandoge, der sich seinen Job am Mikro mit Basser René (der heute seinen ersten Live-Gig in der Band spielt!!!) teilt, kann man seiner klaren Stimme überzeugen. Die Fans der Band geraten insbesondere bei dem Song „11 Dreams“ und bei „Firesoul“ völlig aus dem Häuschen und springen mit Mikkel um die Wette. Als I-Tüpfelchen haben „Mercenary“ den ersten Song ihres neuen Albums „The Hours That Remain“ für die deutschen Fans mit dabei und stellen ihn erstmalig live vor. Die mittlerweile ca 300 Gäste tummeln sich während des Auftritts leider zum Großteil noch im Freien, um die letzten Sonnenstrahlen zu erhaschen. Aber eines kann man festhalten: Die Leute vor der Bühne waren alles überzeugte „Mercenary“-Fans. (Wir haben nach dem Auftritt auf jeden Fall im Festzelt noch eine lustige Party bis weit nach Mitternacht zusammen gefeiert!!!)
Nach kurzer Umbaupause (Während dieser werden sie schon mit lauten „ Ektomorf“-Rufen erwartet!!) stürmen die Trash/Metal-Core Knaben „Ektomorf“ aus Ungarn die Bühne. Angefangen mit „Set me free“ über den Nackenbrecher „Show your Fist“ bis hin zu dem Hammersong „Destroy!“ haben sie alles mit im Gepäck. Hier steht wirklich keiner mehr still. Sänger und Gitarrist Zoltan Farkas schreit mit „Jump! Jump!“ zum obligatorischen Massenspringen auf und die vorderen Reihen springen bis sie keine Luft mehr bekommen! Bei welchem Lied bleibt ein Moshpit nicht aus? Genau, als „I know them“ angestimmt wird, bildet sich der Kreis. Und dieser bleibt auch, bis der Song komplett verebbt ist. Beim heutigen Gig erzählt Zoltan immer wieder von einem Fan, der im Krankenhaus liegt (mehr haben wir vor lauter Lärm leider nicht mitbekommen) und widmet ihm heute „United Nations“. Jeder der Drei Saitenzupfer nutz jeden Zentimeter aus, um seinem Bewegungsdrang Abhilfe zu verschaffen. Nach einer Stunde verlassen die Ungarn dann zum ersten Mal die Bühne, um nach elendig lauten „Zugabe“-Rufen diese wieder zu betreten und mit „Holly Noise“ noch einen drauflegen. Danach ist aber endgültig Schluss und mit „Fuck you all!“ wird sich verabschiedet.
Es ist Headliner-Zeit. Mit dem allseits bekannten Intro „What a Beautiful Noise“ starten „Brainstorm“ ihre 90-minütige Powershow. Seit gut einem Jahr Touren sie (mit Unterbrechungen!!!) mit ihrer ersten Headliner-Tour durch Deutschland und machen diesem Status auch alle Ehre. Die sympatischen Schwaben überzeugen binnen weniger Minuten durch ihre professionelle, spielfreudige und powervolle Spielweise. Auch wenn Viele (leider) schon gegangen sind, lässt Andy seine kraftvolle, klare Stimme auf uns nieder rieseln und zieht alle in den Bann. Immerhin sind die wahren Fans geblieben und an der Bühnenabsperrung ist es sehr eng, was zeigt, dass doch ein beträchtlicher Teil wegen „Brainstorm“ gekommen sind. Nachdem das Intro verklungen ist, wird die Nebel in dichten Nebel gehüllt und dann geht es im ersten Gang mit „Worlds Are Coming Through“ los. Weiter gibt es kräftig um und auf die Ohren mit „Shivas Tears“ und „Fornever“, bei denen die Matten kräftig geschüttelt werden. Natürlich darf am heutigen Abend auch die Singleauskopplung „All Those Words“ nicht fehlen, die trotz der fehlenden weiblichen Stimme rockt ohne Ende. Nach „Burns My Soul!“ ist der offizielle Gig zu Ende, doch die ohrenbetäubenden Zugaberufe locken „Brainstorm“ zurück und mit „Doorway To Survive“ und „Inside A Monster“ gibt es zwei würdige Zugaben! Abgebrannt aber glücklich verlassen „Brainstorm“ nun endgültig die Bretter und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen mit ihren Fans!
Den Abend lassen eine weitere fränkische Band ausklingen. Von keinem geringeren als „ Mosherie“ ist die Rede. Aber mehr zu ihrer Musik erfahrt ihr später, da sie ebenso wie ihre Kollegen von „Justice“ am morgigen Tag in die 2te Runde starten. Nur eine Kleinigkeit an dieser Stelle. Der heutige Gig musste aus folgendem Grund frühzeitiger abgebrochen werden: Schlagzeuger Jörg Müller wurden die Drum-Sticks geklaut und es konnte kein Ersatz mehr aufgerieben werden!!! Schade!!!
Der erste Tag ist zu Ende und als Bilanz können wir sagen, dass wir „Ektomorf“ als inoffiziellen Headliner bezeichnen würden! Ihr Auftritt fand am meisten Anklang bei den ca. 500 Besuchern (von uns selber geschätzt!!!). Der Sound war an diesem Abend zwar bei allen Bands durchweg spitze, jedoch um Meilen zu laut gestellt. Wir sind auf morgen gespannt und machen uns um Drei Uhr morgens auf den Weg in den Bus (Man braucht ja seinen Schönheitsschlaf! ).
2. Tag
Um Elf schaffen auch wir es endlich aus den Feder und machen uns als Erstes mal auf den Weg nach Obermässing, um ordentlich zu frühstücken. Rundfahrt über Bäcker und Metzger und dann einen ruhigen Platz am Waldrand gefunden. Zurück am Festivalgelände gesellen wir uns zu unseren Freunden und vertreiben uns die Stunden mit Bier trinken, grillen und einfach nur dumm rum sitzen. Die Zeltnachbarn packen das Auto voll mit Menschen wo es nur geht und heizen in ausgelassener Stimmung über Park- und Campingplatz. Verrückt!!! verrückt!!!!
Um 15 Uhr geht es dann aber aufs Festivalgelände, da gut zwanzig Minuten später die jungen Melodic-Death Metaller von „Sheephead“, die eher Richtung Metalcore driften, ihren Einstand geben. Den heutigen Tag können sie gut nutzen, um ihr kürzlich veröffentlichtes Erstlingswerk „Damned In Their Cells“ dem Volk „anzudrehen“. Mit ordentlich Wumms in der Stimmem den Saiten und den Fellen fangen sie an das Zelt zu rocken. Zwar befinden sich kaum Zuschauer im Zelt, aber direkt an der Bühnenabsperrung stehen die hauseigenen Fans der Band. Diese feuern ihre Idole ordentlich an. Songs wie „Inner Darkening“, „Cell no. 10“ oder „Standing Apart“ kommen exzellent an. Innerhalb des Sets befindet sich auch eine Coverversion des Hits „Episode 666“ von ihrer Vorbilderband „In Flames“, die sie hervorragend rüberbringen. Nach 60 Minuten Spielzeit und etlichen „Zugabe“-Rufen ist es für „Sheephead“ mit „Nonage“ dann aber an der Zeit zu gehen.
Hoffentlich konnte Jörg neue Drum-Sticks auftreiben, denn sonst würde heute ja gewaltig etwas in der Musik fehlen. Doch „Mosherie“ haben sich natürlich neue organisiert und können so ihren Zweitgig starten. Was sonst fleißig im Probenraum in Oberwurmbach einstudiert wird, wird auf dem Säg-Festival lauthals zum Besten gegeben. Death-Metal aus heimischen Gefilden kommt hier ohne Gnade auf den Tisch. Auch bei „Mosherie“ ist noch nicht die Welt los, aber da sie ihren eigenen Fanbus mitgebracht haben, ist zumindest gesichert, dass die ersten Reihen mit Moshhungrigen gefüllt sind. Abwechslungsreich durch zwei Sänger, wird es bei dieser Band so schnell nicht langweilig.
Als nächstes wird wieder nach dem Motto: „Trash or be Trashed!!“ gerockt, was der Nacken hergibt. Wer schon das Glück hatte „Delirium Tremens“ mit voller Show zu sehen (z. B. Live Club Bamberg am 21.04.06), wird heute enttäuscht sein. Musikalisch sind sie geil wie immer! Jedoch merkt man der Band an wie sehr es sie wurmt, dass gerade mal 7 Hanseln vor der Bühne die Rüben und vor allem Bäuche schwingen. Immer wieder fragt Rowdy Mütze Piper nach, ob es daran liegt das sie alle schon zuviel gesoffen haben. Trotz alledem geht es mit „Seed Of Violence“ gleich sehr gewaltsam los und Rowdy Mütze Piper zieht sich schon beim zweiten Titel „Worship Satan“ seine luftige Kutte aus. Da gibt es für die anwesenden Damen aber ordentlich was zu gucken. Trotz der geringen Zusprache durch das Publikum geben die Fünf nicht auf und legen mit „Balls Of Fire“, „Fucked Up In Mexico City“ und „Violent Mosh Ground“ gleich noch ordentlich nach. Doch nicht nur auf den Brettern wird das Outfit immer weniger. Auch die Jungs davor ziehen sich einer nach dem anderen die T.Shirts aus, um sich wohl freier bewegen zu können. Man suhl sich im Schlamm und fühlt sich wohl dabei. Um noch mal alle Reserven hervorzuholen wird der Song „Baby You Can Turn My Engine On“ durch die Boxen geschoben. Mit „Fuck Posers“ verabschieden sich „Delerium Tremens“ dann von der mageren Zuschauerzahl. Unbedingt sollte man sich „Delirium Tremens“ mal mit kompletter Bühnenshow reinziehen! Es lohnt auf jeden Fall!
Nach den letzten Sonnenstrahlen, die wir an unserem Bus einfangen können, gehen wir wieder direkt in das Zelt des Säg-Festivals. „Hatred“ aus Schweinfurt stehen auf der musikalischen Speisekarte und warten schon hinter den Kulissen darauf, den verstreuten Metalheadz richtig Feuer unter dem Hintern zu machen. Trotz personeller Turbolenzen (neuer Gitarrist!!) in der erst kürzlich vergangenen Zeit, krachen sie mit ihrem Old-School Metal schon ganz ordentlich. Vor der Bühne und darauf werden die Flöhe, zu Songs wie „Soulless“ oder „Metal Massacre“, aus den Matten geschüttelt, bis der letzte Nackenwirbel seinen Geist aufgibt. Bei Sänger Bacchus meint man zu manchem Zeitpunkt, dass er an einem Gummiband befestigt wurde. Ihm kann die Bühne gar nicht groß genug sein. Evil Ewald bearbeitet auch heute wieder die Felle, dass man seinen Händen mit dem Auge kaum folgen kann. Trotz schwacher Beteilung von Seiten des (nicht wirklich vorhandenen) Mops, geben sich die Schweinfurter unermüdlich. Man merkt aber deutlich, dass sie trotzdem bei den spärlich Versammelten gut ankommen. „Hatred“ haben mit ihrer Old-School Schiene wieder mal auf voller Linie gesiegt!!!
Der Headliner des zweiten Abends sind die Black/Gothic-Metaller von „Darzamat“ aus Polen. Die einzige Band des Festivals die auch eine weibliche Stimme mit im Reisegepäck hat. Auch hier steht die Band nicht vor vollem Zelt. Mittlerweile hat sich das Wetter extrem verschlechtert. Starke Regenfälle prasseln auf uns nieder und selbst vor dem Zelt macht das Wasser nicht halt. Es bahnt sich einen Weg in das Zelt und sammelt sich ausgerechnet vor der Bühne zu einem kleinen See. Jedoch können Nera und ihre Jungs trotz der widrigen Umstände ca. 50 Begeisterte zu sich holen. Mit ihrem sehr melodiösen Black-Metal sind sie sehr seltene Gäste in Deutschland, sind aber keineswegs zu verachten. Auf Grund des Wetters und den wachsenden Pfützen im Zelt, machen wir uns noch während dieser Band auf den Rückweg. Bleibt zu hoffen, dass „Justice“ mit ihrer Coverrock-Show (3 Stunden) mehr Beteiligung erwirken können!!!
Ingesamt ein kleines, aber schnuckeliges Festival. Ein wenig mehr Leute hätten ihm aber mit Sicherheit nicht geschadet. Unserer Schätzung nach, dürften es am Freitag ca. 550 Besucher gewesen sein und am Samstag 150 Besucher!!! Ist abzuwarten, ob es eine weitere Auflage des „Säg-Festivals“ im nächsten Jahr geben wird.
Tanja Nusser & Matthias Schneider für M-A-M
Quelle:
http://www.metalroxx.com/modules.php?name=News&file=article&sid=10
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Publiziert am: 2007-03-02 (5228 mal gelesen)
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